Datum:                                 17.6.44                                                                                    

Feldpostnummer:                L50590

Einheit:                                Regimentsstab Fallschirmjäger-Regiment 11

Unterstellung:                     4. Fallschirmjäger-Division

Einsatzgebiet:                      Pienza

Besonderheiten:                  Absender Stabsarzt, 5 Seiten

                                            

Inhalt:

                                                                                                                                  3.6.44

Liebe Eltern, liebe Ilse!

Ich habeleider kein anderes Briefpapier mehr und werde euch daher fortlaufend nummeriert schreiben, wie sich gerade Zeit und Gelegenheit findet. Leider kam ich erst gestern dazu, euch die erste Nachricht zu schicken, hoffentlich ist die Post nicht zu lange unterwegs, dass ihr euch nicht unnötig sorgt. Meine Anschrift ist: F. P. Nr. L50590 Lgpa München II. Gleichzeitig habe ich euch einen Film geschickt, den lasst bitte entwickeln mit je 2 Abzügen. Die Negative behaltet dort, von den Personenaufnahmen schickt bitte beide, von den anderen Bildern einen Abzug. Meine Post schickt mir bitte nach

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und zwar immer mehrere Briefe in ein neues Couvert. Nun habe ich noch folgende Wünsche: Hat Ilse ??? das Geld geschickt? Sie soll die Quittung gut aufheben. Die Bilder (ohne Negative) vom Waterlooplatz schickt mir bitte. Führt bitte genau Buch über die Sachen die Edith schickt. Wenn sonst Päckchen kommen, macht sie bitte auf und schickt mir nur Unverderbliches nach. Hat Ilse die Zigaretten von Haas? Wichtige oder wertvolle Sachen schickt von Dienststelle an Dienststelle als Einschreiben mit dem Vermerk „ zu Händen von…“. Ist ein Päckchen nicht von Edith aus Dänemark gekommen? Schreibt mit bitte ausführlich und vergesst nicht, meine Fragen zu beantworten? Meine Kiste kann jetzt ruhig nach Altenhagen.

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Nr. 2 und 3 konnte ich gerade mit Fortgeben und nun will ich euch erst mal berichten. In Nancy war es sehr schön. Ich habe in einem fantastischen Hotel mit Bad gewohnt und in den herrlichsten Weinen geschwelgt. Am 26.5 konnte ich mich endlich beim General melden. Er war ganz wie erwartet, freundlich und teilnehmend. Wegen der Fraglichkeit einer Invasion hat er mir den Vorschlag gemacht, gen Süden zu fahren. In München habe ich mich erst mal ausgeschlafen und dann ging es am 28. weiter. Leider nur bis Bologna, weil ab dort die Bahn kurz und klein ist. Über den Futta Pass ging es im Opel Kapitän nach Florenz mit einem Kollegen und da habe ich wieder erst mal eine Pause eingelegt. Oh, dieses Gepäck!! Von Florenz ging es dann wegen der Jagdbomber, die die Straßen

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am Tage unpassierbar machen, nachts weiter per Omnibus nach Orvieto dem Burgstädtchen , das an Rotenburg o. T. erinnert. Dort habe ich mir ein Bett im italienischen Hospital erkämpft. Wieder abends weiter per LKW bis Rom, dann per Munitions LKW bis Frascati, per PKW ein paar Kilometer, bis wir in einem Bombentrichter festsaßen und schließlich per Pferdewagen nach Grotta Ferrata. An Schlafen wegen der Artillerieeinschläge und Jagdfliegerschüsse nicht zu denken. Am nächsten Tag ging es noch mal nach Rom und dann wieder südwärts. Jetzt habe ich trotz Knallerie schon ganz gut geschlafen soweit das infolge der Fliegen und Flöhe möglich war. Gestern habe ich mir nun endlich Tropenbekleidung und ein Moskitonetz organisiert und nun geht’s besser.

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Leider geht es nun augenblicklich gen Norden. Es ist ein toller Trubel, die Tiber Brücken sind kaputt und Rom wird wir wohl bald aufgegeben werden. Der Materialaufwand (Artillerie und Luftwaffe pausenlos Tag und Nacht) des Gegners ist ungeheuer, der Anblick auf den Hauptverbandsplätzen und in den Lazaretten entsprechend. Es gibt viel zu tun und in dem allgemeinen Rückzugstrubel ist das Leben auf Kisten und Schlafen auf der Erde äußerst primitiv. Aber es geht alles besser als ich dachte und ihr braucht euch nicht zu sorgen. Wie geht es Mutti, ist sie wieder wohlauf und gut erholt aus Bad Pyrmont zurückgekommen? Nun Schluß für heute. Euch alles Gute und allerseits herzliche Grüße von eurem Hans.